H. & J. Brüggen KG

MULTIFUNKTIONS-/RIEGELGEBÄUDE, LÜBECK, 2011-2012

Es ist 175 Meter lang und 16,5 Meter hoch. Das Multifunktionsgebäude der H. & J. Brüggen KG erscheint somit nicht eben klein, auffällig obendrein, weil es attraktiv ist. Gleichermaßen fügt es sich in das Stadtbild, denn es wirkt formvollendet.

2009 erwarb Brüggen von der Hansestadt Lübeck das Grundstück „südlicher Konstinkai“, das bislang von der LHG als Hafenfläche genutzt wurde, um hier zwischen 2011 und 2012 ein neues Werk zu errichten.
Bereits der zweite Entwurf nimmt alle Hürden im Gestaltungsbeirat. Vorangegangen war eine sehr sorgfältige Beschäftigung mit der städtebaulichen Situation Lübecks. Ein Rendering mit den Konturen des zukünftigen Bauwerkes vor der Altstadt zeigt, dass das neue Gebäude die Sichtachse von der Nordtangente zur Silhouette der Altstadt erhält. Eine Höhensimulation per Hubsteiger und Maßband an der zukünftigen Ecke des Baus überzeugt die Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes unwiderruflich.

Trotzdem sind die Rahmenbedingungen für den Bau eng gesteckt. Die Zufahrt zum nördlichen Kai muss erhalten bleiben und darf auch während der Bauphase nicht behindert werden. Außerdem ist es unabdingbar, dass die Hauptentsorgung der Altstadt und weitere Infrastrukturleitungen, die über das Grundstück verlaufen, zugänglich bleiben.

Damit das neue Multifunktionsgebäude in unmittelbarer Sichtweite des UNESCO Welterbes Lübecker Altstadt nicht nur alle Funktionen erfüllt, sondern unabhängig von Jahren die Blicke der Betrachter einlädt, seinen weichen Linien zu folgen, ist eine achtsame Detailausarbeitung notwendig.
Die gesamte Fassade wird plan ausgeführt. Alle Sonnenschutzlamellen werden in die Scheibenzwischenräume der Fenster integriert. Weil die Dachfläche abgesenkt ist, bleibt die gesamte Technik auf dem Dach dem Auge des Betrachters verborgen und stört nicht die vorgegebenen Sichtachsen. Entsorgungsstation und Silozellen für Flüssigstoffe sind in das Gebäude eingepasst und durch Rolltore nach außen abgeschlossen. Die Aufteilung der Fassade in einen Sockel und einen zweigeschossigen Aufbau lässt das neue Gebäude trotz seiner Größe filigran wirken.

Der moderne Gebäudekomplex gewährt auf drei Ebenen mit insgesamt 10.000 Quadratmetern hinlänglich Platz für Verwaltung und Produktion. In der zweiten Ebene des Komplexes gibt es eine 110 Meter lange Produktionsstraße zur Herstellung von Müsliriegeln.
Büro- und Konferenzräume, Produktentwicklung, Archive, Sensorikraum sowie Labor- und Versuchsküchen für das Qualitätswesen sind im Verwaltungsteil angesiedelt. Ein großer Konferenzraum in der dritten Ebene gestattet die Aussicht über die Lübecker Altstadt.
Modernste Gebäudetechnik reduziert die Emission von Kohlendioxid. Abwärme aus der Produktion wird für die Beheizung der Büroräume genutzt, Abluft dient der Warmwasseraufbereitung. LED-Beleuchtung reduziert den Energiebedarf erheblich.

Ein glatter Sockel aus Stahlbeton wird das Gebäude auch vor extremem Hochwasser schützen.
Die gesamte Fassade ist mit Isopaneelen in Aluminiumoptik mit Mikrolinierung verkleidet. Sie schimmert gediegen und unaufdringlich in sanftem Glanz und führt den Blick entlang dem Lauf des Flusses Trave zu den Türmen der Altstadt.